Ablauf von systemischen Aufstellungen mit Stellvertreter*innen

Die Person, die ein Anliegen hat, positioniert Stellvertreter*innen für Personen aus ihrem Familien- oder Arbeits-System nach dem eigenen inneren Bild. Danach re-agieren die Stellvertretungen eigenständig in gesammelter Haltung bzw. werden zu bestimmten Interaktionen von mir als Aufstellungsleiterin angeregt. Ziel ist hier das positive Einwirken auf ungünstige Konstellationen oder Beziehungsstörungen – doch nur so weit, wie es das System zulässt. Indikatoren für Änderungsbereitschaft sind die Stellvertretungen selbst, die zurückmelden, zu welchen Veränderungen sie bereit sind.

 

 

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Ablauf einer Aufstellung mit Stellvertreter*innen

Die systemische Aufstellungsarbeit beginnt mit einem Anliegen für eine gewünschte Veränderung aus dem beruflichen oder familiären Kontext. Ohne ein Anliegen, ein klares Ziel, kann es keine Aufstellung geben. Im Vorgespräch stellt der*die Klient*in der Aufstellungsleitung im Seminar vor allen Teilnehmer*innen dieses Anliegen kurz vor. Details sind dabei zwar nicht erforderlich, doch bedarf es ggf. einer Konkretisierung. Als Aufstellungsleiterin werde ich ggf. gezielte Fragen zu gravierenden Ereignissen im System erfragen oder im beruflichen Kontext die hierarchische Struktur versuchen wollen zu verstehen, bevor aufgestellt wird.

 

Anschließend werden auf Bitten der Aufstellungsleitung Stellvertretungen für bestimmte Personen des Klientensystems gewählt, die der Klient / die Klientin nach dem eigenen inneren Bild aufstellt: bestimmte Personen näher zueinander, mit dem Blick zu- oder abgewandt etc. Dazu gehört auch eine Stellvertretung für sich selbst. Danach setzt sich der Klient wieder hin und wird nun zunächst mehr zum Zuschauer.

 

Die Stellvertretungen fühlen sich in ihre Position ein, wofür es nicht erforderlich ist, Hintergründe zu dieser Person zu kennen. Nun wirkt das morphische Feld… Die Stellvertretungen erleben sich in Beziehung zueinander und nehmen bestimmte Empfindungen (körperlich und/oder emotional) wahr. Nicht selten wird von den Klienten eine bestimmte Gestik oder ein körperliches Symptom der Stellvertretungen als charakteristisch für die aufgestellte Original-Person erklärt.

 

Diese Empfindungen fragt dann die Leitung ab und nimmt im morphischen Feld bzw. aufgrund des Erfahrungsschatzes wahr, wo zwischenmenschlich z.B. Blockaden oder Vorwürfe bestehen. Jedes System hat außerdem eine hierarchische Struktur. Es gibt Rangfolgen unter Generationen, unter Geschwistern, in Patchworkfamilien oder auch in Betrieben nach Organisationseinheiten, Qualifikation und Betriebszugehörigkeit. Mithilfe von bestimmten verdichteten Aussagen (Wie z.B. zum Vater: „Ich bin dein Sohn.“ oder zu einer Teamkollegin: „Ab jetzt ziehe ich mit dir an einem Strang.“) werden die Stellvertretungen dazu angeregt, die bisherige Haltung hin zu einer angemesseneren zu verändern. Dazu dienen diese sogenannten Lösungssätze oder auch das Umpositionieren im Raum.

 

Damit der*die Klient*in das veränderte Beziehungsbild in sich wirken lassen kann, wird eher zum Ende der Aufstellung hin der Stellvertreter des Klienten durch ihn selbst ausgetauscht und die Aufstellung zu einem Ende gebracht, mit dem möglichst alle Teilnehmer*innen einverstanden sind.


Ablauf eines Tages-Seminars

Ein Tages-Seminar beginnt im Allgemeinen mit Bewegung und Begegnung. Die Absicht ist, im Raum anzukommen, allmählich die Gruppenmitglieder wahrzunehmen und das Herz und die Sinne für die kommenden Aufstellungen zu öffnen. Musik / Rhythmus und Bewegung dienen dabei unterstützend. Teilweise startet ein Tages-Seminar auch mit einer Biodanza-Einheit. Dazu unten mehr.

 

Nach Tanz und erster Begegnung folgt eine kurze Vorstellungsrunde - und dann geht es auch schon los! 

 

Nach jeder Aufstellung gibt es eine kurze Pause bzw. die Mittagspause mit Imbiss in den Räumen des Seminar-Hauses. Dazu bringt jede*r etwas für die Allgemeinheit zu essen mit. Getränke werden gestellt.

 

Je nach Situation wird auch der zweite Teil des Tages mit Bewegung eingeläutet und ggf. das Seminar auch mit Musik und Tanz abgeschlossen. 


Über die Wirkung und Häufigkeit von systemischen Aufstellungen

 

Nach einer Aufstellung sollte der*die Klient*in alles genauso weitermachen, wie bisher, bis sich von allein Veränderungen einstellen. Über die Entwicklung der Aufstellung sollte nicht im Detail gesprochen werden, weil man dann energetisch wieder Rückschritte macht. Und Aufmerksamkeit schafft Realität: Schildere ich also die Ausgangssituation in allen Einzelheiten, wird es für mich viel schwerer, die veränderte Lösungssituation aus der Aufstellung zu spüren und zu erinnern. Das Lösungs- oder Schlussbild dagegen, das der gewünschten Situation näher gekommen sein sollte, kann jederzeit vor dem inneren Auge betrachtet werden.

 

Bis dasselbe Thema wieder aufgestellt wird, sollte eine längere Zeit (zwischen drei und sechs Monaten) vergehen, damit quasi das Lösungs- oder Schlussbild reifen kann.  Veränderungen können direkt nach einer Aufstellung wahrnehmbar werden, es kann jedoch auch eine Zeit brauchen oder eben noch eine weitere Aufstellung erfordern. Bei besonders schwierigen Themen darf man sich die Entwicklung nach der Zwiebelschalen-Taktik vorstellen: Schicht für Schicht kann abgelegt werden, Schritt für Schritt kommt man seinem Ziel näher. Es gibt auch Themen, die schlicht Lebensaufgabe und Lebensthema bleiben. Dann kann es in einer Aufstellung darum gehen, eine solche Situation angemessen anzunehmen.

 

Noch wissenschaftlich nicht vollständig belegt ist übrigens, dass die Aufstellungsarbeit nicht nur auf den*die Klient*in wirkt, sondern auf das ganze System, und zwar nicht nur auf die Lebenden, sondern auch auf die verstorbenen Mitglieder des Systems. Viele Aufstellungsteilnehmer*innen können berichten, dass sich ohne ihr Zutun (so jedenfalls die jeweilige Ansicht) das Verhalten bei Anderen im System im Anschluss an eine Aufstellung verändert habe, die aber gar keine Kenntnis von den Aufstellungen hatten. Für mich ist diese Vorstellung plausibel, und ich habe sie selbst mehrfach selbst erleben dürfen. Aus meiner systemisch-konstruktivistischen Grundhaltung heraus spielt diese Fragestellung nach dem Wie und Warum dennoch eine eher untergeordnete Bedeutung; geht es mir doch vielmehr darum, dass jemand mit einem Anliegen auf Veränderung auch passende Impulse erhält, um den eigenen Prozess in Gang zu bringen, zu verändern oder zu vertiefen.