Aufstellungen mit dem Systembrett - ein hilfreiches Tool im Coaching

Es mag zunächst befremdlich anmuten, das Entwickeln von Lösungsstrategien mit Spiel-figuren... Doch sind diese uns sehr bekannten Figuren sehr hilfreich beim Sichtbar-Machen eines Beziehungsgeflechts. Klient*in und Coachin schauen gemeinsam auf einen Systemaus-schnitt. Fragen, Kommentare und Klärungen über Bewertungen können wichtige Impulse bringen, die Wahrnehmung verändern durch Perspektivwechsel und Mut machen zum Inszenieren von Lösungsbildern, die vielleicht noch dem Reich der Phantasie angehören.

 

Eine besondere Stärke: Systembrett-Aufstellungen können auch vollständig verdeckt ablaufen. Als Coachin weiß ich vielleicht, ob es sich um eine Entscheidung, ein Problem oder einen Konflikt handelt. Die Protagonisten kennt nur der*die Klient*in. Hier kann also mit höchster Diskretion ebenso effektiv auf dem Weg zur Lösung, zum Ziel gearbeitet werden.

 

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Wie arbeitet man mit einem systembrett?

Stellen Sie sich vor, Sie wollen jemandem Ihre Arbeit schildern, vor allem mit Blick auf die Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeiter (und *innen). Wer hat welchen Einfluss, wer ist wem nahe, wo sind Konflikte? Wie gut wird Ihnen das mit Worten gelingen? In einem Restaurant nehmen wir uns manchmal Salz- und Pfefferstreuer, die Kerze, ein Glas etc. zu Hilfe, um unser Bild,  das wir von diesem Systemausschnitt oder von einer Situation haben, besser darstellen zu können. Da auf einem Restaurant-Tisch die Mittel begrenzt sind, lohnt sich vielleicht eine professionelle Aufstellung mit dem Systembrett. Sie können die figürlichen Stellvertreter*innen unterscheiden nach Größe, Form und Farbe, weitere Attribute hinzufügen, bis hin zu Gefühlen, Beziehungen durch Nähe oder Abstand sichtbar machen, Barrieren einbauen etc. 

 

Der Vorteil daran ist, dass die Visualisierung andere Bereiche im Gehirn aktiviert, nämlich die des Stammhirns. Hier sind die Sinnesorgane über Nerven verknüpft, von hier werden die Gefühle (mit-)gesteuert. In diesem entstehungsgeschichtlich alten Bereich des Gehirns, quasi dem Reptiliengehirn, ist das Unwillkürliche lokalisiert, das Spontane, Unreflektierte, das, was wir gern unser Bauchgefühl nennen. Unser Sprachzentrum ist dagegen im jüngeren Teil des Gehirns, der Großhirnrinde, platziert. Erklären wir also mit Worten, dann sprechen wir den willkürlichen, überlegten Teil in uns und anderen an, den Kopf, den Intellekt. Mit dem Systembrett werden also verschiedene Hirnareale zusammen aktiviert, werden Informationen auf verschiedenen Kanälen gesendet und empfangen. Das erweitert den Wahrnehmungs--bereich. Außerdem kann eine mit Figuren aufgestellte Situation von anderen Seiten betrachtet werden, wodurch ganz neue Erkenntnisse gewonnen werden können.

 

Das Arbeiten im Stehen und Um-Das-Brett-Gehen aktiviert alle grauen Zellen. Manchmal meldet der Körper auch noch Reaktionen, die Teil des Geschehens werden können. Wichtig ist auch, dass zwischen den Figuren und dem Klienten / der Klientin ein Abstand entsteht. Anders als beim Darüber-Reden, wo das Thema im eigenen Kopf bewegt wird, wird das Thema nun außerhalb von uns diskutiert. Mit diesem Abstand wird auch symbolisiert, dass das Thema nicht Teil des Klienten / der Klientin ist. Man ist nicht das Thema, sondern man hat es - und hat jederzeit die Freiheit, den Abstand dazu zu vergrößern.

 

Meine Aufgabe als Coachin ist es dann, wahrzunehmen und (systemische) Fragen zu stellen. Fragen, die dem Klienten / der Klientin die Möglichkeit geben, das Thema anders zu betrachten, andere Beziehungsmuster zu erkennen, das Bild zu modifizieren. 

 

Besonders wertvoll ist dann auch, dass auf dem Systembrett eine Lösung entwickelt und visualisiert werden kann, die eher einem Wunder gleichen kann und der Phantasie entspringt, als der vermeintlichen Wirklichkeit. Doch, was ist wirklich? Nach meiner Vorstellung folgt die Energie der Aufmerksamkeit. Je mehr ich mich in einen Zustand hineindenke und -fühle, desto eher wird er mir begegnen. Wenn auch das Lösungsbild ein phantastisches sein sollte, so können doch erste Schritte dahin im Coaching vereinbart werden. In der möglicherweise folgenden Coaching-Einheit können dann die Erfahrungen mit diesen Schritten auf dem Weg zum Ziel erörtert - und auch wieder am Systembrett visualisiert werden.


welche themen lassen sich aufstellen?

Es lassen sich alle Themen aufstellen, die in einem Coaching oder bei einer systemischen Aufstellung mit Stellvertreter*innen gewählt werden können.


verdeckt aufstellen mit dem systembrett

Eine besondere Form der Aufstellung mit dem Systembrett ist die sogenannte verdeckte Aufstellung. Es mag Situationen geben, wo der*die Klient*in nicht einmal in einem geschützten Raum, wie dem Coaching-Setting, bestimmte Dinge von sich Preis geben möchte, auch bei noch so viel Vertrauen zum*zur Coach*in. Dann wird mir als Coachin in der verdeckten Aufstellung nur der übergeordnete Themenkomplex mitgeteilt, damit ich etwas gezielter meine Fragen stellen kann. Details zum Thema bleiben mir bis zum Schluss unbekannt. Mit den Figuren wird das Thema in bester Weise sichtbar gemacht. Als Coachin kann ich weiterhin (systemische) Fragen zu Beziehungen zwischen verschiedenen Figuren zu stellen, oder das, was ich sehe und wahrnehme, auch kommentieren. Mein Blick auf das Aufstellungsbild bleibt neutraler, was durchaus hilfreich sein kann.