Systemisches Coaching - Grundhaltung und Selbstverständnis

Meine Grundhaltung fußt vor allem auf zwei Säulen: Erstens auf meiner wertschätzenden, achtsamen und neutralen Einstellung meinem Klienten / meiner Klientin gegenüber, den/die ich als Profi im eigenen System anerkenne. Zweitens auf meine Zustimmung zur systemisch-konstruktivistischen Weltsicht, nach der Systeme vor allem mit ihren vielfältigen Wechselwirkungen zu betrachten sind und somit weniger linear-kausal mit Fragen nach dem „Warum“. Danach kann es keine Objektivität geben, also auch kein Richtig oder Falsch. 

 

 

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Meine Grundhaltung im Coaching

  • Die Wirklichkeit ist nicht wirklich, sondern wird von jedem Lebewesen immer wieder aufs Neue konstruiert. Wir wissen alle, dass sich über Geschmack nicht streiten lässt. Doch auch, was wir sehen, wird so vielfältig von der Art der Aufnahme der Information, der physischen Verarbeitung, der Auswahl aus der Fülle von Informationsinhalten und seiner Interpretation und Bewertung bestimmt, dass wir mit Sicherheit alle etwas anderes sehen, selbst wenn wir auf dieselbe Landschaft oder denselben Gegenstand schauen. Und auch die Interpretation von Wörtern ist vielfältig. Allein das Wort „GRÜN“ weckt verschiedenste Assoziationen und kann sich z.B. je nach Stimmungslage, Jahreszeit, Art der Fortbewegung in welcher Landschaft ändern.
  • Das Coaching-System ist nicht das Heimat-System: Die „Wirklichkeit“, die der / die Klient*in aus dem privaten oder beruflichen Bereich mitbringt, ändert sich schon allein durch die Tatsache, dass in der Coaching-Stunde quasi ein neues System entsteht, nämlich das Coaching-System. Die im Coaching entwickelten Lösungsansätze dürfen dann also im Heimat-System auf ihre Tauglichkeit geprüft werden.
  • Vielfältige Wechselwirkungen bestimmen uns und unsere jeweiligen Systeme: Aus meiner Sicht besteht vor diesem Hintergrund auch nie die Möglichkeit, dass ich das komplexe System des / der Klient*in auch bei bester Beschreibung nur annähernd erfassen kann. Entsprechend erscheint mir in Bezug auf solch komplexe Systeme eine Erklärung in linear-kausaler Weise (etwas ist so, weil etwas anderes so ist) meist unmöglich. Coach*in und Klient*in können sich in der Wahrnehmung also nur annähern.
  • Der Blick ist nach vorn gerichtet, ist lösungsorientiert: Linear-kausal wird gern nach dem „Warum“ gefragt – da ist der Blick eher in die Vergangenheit gerichtet, in die Suche nach den Gründen für ein Problem. Wenn ich nun aber die Gründe aufgrund seiner Komplexität gar nicht abbilden und erfassen kann, ist diese Betrachtungsform für mich im Coaching von untergeordnetem Interesse. Wichtiger ist für mich die Frage nach dem „Wofür“: Hier ist der Blick nach vorn gerichtet: Was soll mit einem bestimmten Verhalten, einer Veränderung erreicht werden? Auf welche Lösung ist der Blick gerichtet? Welchen Vorteil könnte es haben, diese Lösung zu erreichen…?
  • Für mich ist der / die Klient*in Profi im eigenen System. Als Coachin kann ich, Profi in der Anwendung meiner gelernten Techniken, Hypothesen aufstellen oder Impulse geben, die aus meinem System heraus (und meiner Berufs- und Lebenserfahrung) plausibel erscheinen. Der / Die Klient*in als Spezialist*in für das eigene System hat dann eigenverantwortlich zu prüfen, inwiefern diese Interventionen hilfreich sind und trifft die Entscheidung für oder gegen einen Impuls selbst.
  • Als Coachin erkenne ich an, dass mein/e Klient*in einen ganz eigenen Weg geht, eigene Grenzen hat bzw. kennt und somit selbst darüber entscheidet, wohin die Reise geht, selbst wenn ich andere Phantasien dazu habe. Diese Einstellung ist mir nur möglich mit meiner wertschätzenden, achtsamen und neutralen Grundhaltung.