Qigong-Formen, die ich anleite

Beim Anleiten in der Gruppe konzentriere ich mich auf die Formen des Qigong Yangsheng von Professor Jiao Guorui, hier vor allem auf die Acht Brokate, eine Abfolge von acht harmonisch fließenden Einzelübungen, die positive Effekte auf Körper und Geist als Ganzes haben können. Wichtig ist mir vor allem der meditative Charakter und die Beobachtung des eigenen Körpers beim Praktizieren. Die Acht Brokate unterrichte ich in Gruppen und auch in Einzelstunden, im Gruppenraum und auch draußen im  eigens dafür angelegten Qigong-Kreis. 

 

In Einzelstunden unterrichte ich die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong und das Spiel der 5 Tiere nach Prof. Jiao sowie die 15 Übungen des Duft-Qi Gong (v.a. erster Teil) und die im Gehen praktizierten Atemübungen des Guo Lin Qi Gong (beides nach Meister Zhang aus Wien).

 

Mehr Infos:

 

Die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong entspringen einer alten Übungsabfolge  aus der Shaolin-Kampfkunst. Diese Übungen sind für Einsteiger*innen sehr gut geeignet, da sie weniger komplex sind.  Die Übungen werden im Stehen oder mit einem Schritt nach links und  dann nach rechts praktiziert, so dass der Platzbedarf sehr gering ist - man kann diese Form also fast überall praktizieren!

 

Das Spiel der 5 Tiere besteht aus insgesamt 25 Formen (5 Formen pro Tier). Die 5 Tiere sind den fünf Elementen und damit bestimmten Emotionen und idealisierten Eigenschaften, wie innerer Ruhe, Kraft oder Furchtlosigkeit zugeordnet.  Der Schwierigkeitsgrad der Übungen steigt von der ersten zur fünften Form. Positive Effekte zur Förderung eigener Ressourcen werden schon den ersten Formen zugeschrieben, so dass hier sehr individuell geübt werden kann.

Von den drei Grundformen, die Prof. Jiao entwickelt hat (15 Ausdrucksformen, 8 Brokate, Spiel der 5 Tiere) ist das Spiel der 5 Tiere am anspruchsvollsten, körperlich und mental. Wer diese Form erlernen möchte, sollte schon eine Weile Qigong praktiziert haben.

 

Im Duft-Qi Gong werden 15 kurze Bewegungen (in gleicher Abfolge und üblicherweise jeweils 36 mal) zügig wiederholt. Diese Form kann, äußerlich betrachtet, vor allem den Schultergürtel lockern und die Wirbelsäule mobilisieren. Innerlich soll sie der Reinigung und dem Aufbau von Qi (Lebenskraft) dienen. Für Menschen, die innerlich nur schwer zur Ruhe finden und mit Qi Gong beginnen wollen, können diese Übungen aufgrund ihrer Dynamik sehr gut geeignet sein.

 

Das Guo Lin Qi Gong ist eine neue Zusammenstellung von bekannten Übungen im Gehen von Frau Guo Lin, die davon überzeugt war, ihre Krebserkrankung mithilfe dieser Übungen überwunden zu haben. Im Guo Lin Qi Gong nimmt die intensive (Bauch-) Atmung eine wichtige Rolle ein, wodurch ein Entgiften und Durchbluten der inneren Organe gefördert wird. Da wir in sitzenden Tätigkeiten gern zu flach atmen, ist auch diese Qi Gong-Form bestens mit präventivem Ziel geeignet, eine tiefere Atmung, verbunden mit besserem Gleichgewicht zu erlangen.

Wenn diese Übungen im Fall einer Krebserkrankung positive Wirkungen zeigen sollen, ist ein möglichst tägliches Wiederholen der Übungen unerlässlich. 

 

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Die acht brokate des qigong yangsheng nach Prof. jiao guorui

"Die Ruhe hat ihre Gesetze,

die Bewegung hat ihre Regeln,

einfach die Haltungen,

doch tiefgründig die ihnen

zugrundeliegenden Prinzipien." (Jiao Guorui)

 

Die Form an sich und ihre allgemeine Wirkung

Die Acht Brokate sind eine Abfolge von acht Übungen, die im Stehen und meist mit Seitschritten (hüftbreit und doppelt hüftbreit) in beide Richtungen durchgeführt werden.  Die Bewegungen sind sehr langsam, die Beobachtung der Atmung und der Körperhaltung sowie die Fokussierung vor allem auf das untere Dantian (Energiezentrum im Bauchbereich) haben eine wichtige Bedeutung. Die einzelnen Übungen haben sehr bildhafte Titel, wie "Himmel und Erde verbinden, um Magen und Milz zu stärken", und geben damit zum einen Auskunft über die Bewegung und ihre Dynamik und zum anderen über den tieferen heilpraktischen Hintergrund im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Nach dem Üben der Acht Brokate kann sich ganz allgemein eine große Ruhe und Entspannung einstellen, gleichzeitig oft gepaart mit einer angenehmen Form der Vitalisierung des Körpers, manchmal auch verbunden mit einer spürbaren Art der Herzenswärme.

Mit Achtsamkeits- und Aufwärmübungen am Anfang und Abschlussübungen ergibt sich etwa eine Stunde Training. Im individuellen Üben zu Hause oder in der Natur können sich die Übenden einzelne Übungen herausgreifen und intensiver studieren oder die Geschwindigkeit verändern, insbesondere verlangsamen. Ist es in der Gruppe üblich, die Form in einer guten halben Stunde zu üben, besteht die Möglichkeit, wenn man Spaß daran hat, auch anderthalb Stunden damit zu verbringen. Auch im Üben nur einer einzigen Form aus den Acht Brokaten ist es möglich, sich unbegrenzt in die Übungen zu vertiefen. 

 

Das Qigong Yangsheng von Prof. Jiao Guorui

Der TCM-Arzt, Professor an der Universität in Peking und Qigong-Meister Jiao Guorui (1923-1997) erlernte schon als Jugendlicher die Kampfkunst des Shaolin-Gongfu und später im Rahmen seiner medizinischen Ausbildung verschiedene Formen des Qigong bei unterschiedlichen chinesischen Großmeistern. Aus der Fülle der Qigong-Übungen, von denen einige schon seit mindestens zweitausend Jahren bekannt sein sollen (dazu zählen wohl auch die Acht Brokat-Übungen), wählte er eine übersichtliche Zahl aus, die er in seinem Lehrsystem Qigong Yangsheng zusammenstellte. Yangsheng bedeutet dabei so viel wie "Pflege des Lebens". Jiao gründete das erste wissenschaftliche Institut zur Erforschung der gesundheits-fördernden Übungen des Qigong in China und förderte auch den wissenschaftlichen und praktischen Austausch mit dem Ausland. Wichtig war ihm offensichtlich, die Übungen populär zu machen und dazu in ihrer Komplexität so zu reduzieren, dass die gesundheitsfördernden Eigenschaften auch auf Ungeübte oder körperlich weniger Aktive Wirkung haben konnten. Neben den Acht Brokat-Übungen hat Jiao auch die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong und Das Spiel der 5 Tiere in seiner Interpretation entwickelt. Wer hier tiefer einsteigen möchte, findet ausreichend Literatur von Jiao mit umfassendem Bildmaterial und detaillierten Beschreibungen der Bewegungsabläufe.

 

Hier ein paar Zitate aus seinem Buch "Die 8 Brokatübungen", Ausgabe 2007: Bewegung und Ruhe haben in der Praxis des Qigong verschiedene Bedeutungsebenen: Zum einen unterteilt man Qigong-Übungen in ... "Übungen-in-Ruhe" ... und "Übungen-in-Bewegung" ..., zum anderen verknüpft man in jeder Qigong-Übung Ruhe und Bewegung organisch miteinander. ... Alle Dinge im Universum befinden sich in ständiger Bewegung, Entwicklung und Veränderung. Insofern gibt es keine absolute Ruhe. Das Ziel der Qigong-Übungen ist es, die physiologischen und psychischen Funktionen, d.h. die "Bewegungen" und Veränderungen im Menschen, zu fördern. Qigong hat eine regulierende, regenerierende und aufbauende Wirkung auf den Organismus. ... Ohne Bewegung gibt es keine Veränderung. ... Allerdings kann sich die Wirkung von Bewegung nur unter der Bedingung einer inneren Ruhe entfalten. Deshalb gilt die innere Ruhe als Grundlage einer jeden Qigong-Übung.

 

In Hemmingen hat der Physiotherapeut und Qigong-Lehrer Kurt Oehlschläger (1969-2017) die Acht Brokate nach Prof. Jiao ab 2006 unterrichtet. Bei ihm habe ich meine erste Ausbildung absolviert. Bei seinem Lehrer, Ernst-Michael Beck, Arzt und Qigong-Lehrer vom Shenjing-Institut in Hannover, habe ich inzwischen die dreijährige Ausbildung zur Diplom-Kursleiterin im Qigong absolviert.

 

Warum Acht Brokate?

Warum ACHT? In China hat jede Zahl ihre Bedeutung. So wird die Zahl Acht als Glückszahl gehandelt, sie steht auch als Symbol für den Reichtum. Die Anzahl der praktizierten Brokate hat sich über die Jahrhunderte wohl auch verändert. Dokumentiert sind nach Prof. Jiao auch 4, 6,  12 und 24 Übungen.

Warum BROKATE? Brokat ist die Bezeichnung für einen gemusterten Seidenstoff, der schon vor knapp zweitausend Jahren mit großem Aufwand hergestellt wurde und eine erlesene Kostbarkeit darstellte. Er wurde als Kleiderstoff oder Wandschmuck genutzt. Der Begriff Brokat "ist mit einer Vorstellung von Eleganz, Feinheit und Genuss verbunden. Dies gilt es auch beim Praktizieren der 8 Brokatübungen zu berücksichtigen. Sowohl beim Übenden wie auch beim Betrachter stellt sich die Empfindung von etwas Kostbarem, von großer Schönheit ein." (Jiao, 2007, s.o.)  Viel Vergnügen beim Üben!

 

Meine Art, die Acht Brokate zu üben:

Als Gegengewicht zum hektischen Alltag einer Leistungsgesellschaft lege ich den Schwerpunkt bewusst auf den meditativen Ablauf der Übungen, auf die Vorstellungskraft zur Lenkung von Energien und die Förderung der Achtsamkeit für die Körperbewegungen. Die sportliche Herausforderung (die ganz klar gegeben sein kann!) oder die "perfekte" Ausführung der einzelnen Bewegungen (woran man ein Leben lang üben kann!) treten dabei eher in den Hintergrund. Die Bewegung wird so zum Mittel zum Zweck: Da die Bewegungen eine feste Abfolge haben, kann diese Stunde dazu genutzt werden, wieder gut in Kontakt mit dem eigenen Körper zu kommen, die Atmung zu vertiefen und sich zu erden. Weniger interessiert hierbei, ob man die Übung besser ausführen kann als der Nachbar, vielmehr dafür die innere Beobachtung, welche Bewegungen sich dieses Mal wie anfühlen. Da ich individuelle Korrekturen auf das notwendige Mindestmaß reduziere, sind die Teilnehmer*innen die ganze Stunde über viel mehr im Innen als im Außen, was für mich aus energetischer Sicht wertvoller ist. Entsprechend finden die Übungen für die Teilnehmer*innen im Schweigen statt, werden von mir mit ruhiger Stimme angesagt. Die hin und wieder individuelle Interpretation der einzelnen Bewegungen fördert zudem die Toleranz gegenüber der Einzigartigkeit jedes Individuums, denn "Richtig" oder "Falsch" wird hier nicht unterschieden. Könnte eine Haltung  oder Bewegung in der Interpretation körperliche Nachteile mit sich bringen, schreite ich natürlich behutsam ein.

14 Achtsamkeitspunkte, v.a. die Lenkung der Aufmerksamkeit auf bestimmte Haltungen einzelner Körperteile, werden am Anfang der Stunde von Kopf bis Fuß angesprochen und ebenfalls in derselben Weise Stunde um Stunde wie ein Mantra wiederholt und auch schwerpunktartig in die Acht Brokate mit aufgenommen. In den Alltag überführt, können diese Übungen das Allgemeinbefinden durch eine bessere Körperhaltung  und tiefere, ruhigere Atmung fördern. Damit ist es nicht nur eine Übung für eine Stunde in der Woche, sondern die "Pflege des Lebens" mittels Energieübungen, chinesisch: Qigong Yangsheng.

 

Das Besondere an den beiden Qigong-Kursen:

Beide Kurse, die ich anleite, sind fortlaufende Kurse mit sehr treuen Teilnehmer*innen. Die Teilnehmer*innen sind mit ihrer jahrelangen Übungsfreude ein Zeichen dafür, dass auch "nur" acht Bewegungsabfolgen spannend und lehrreich bleiben können auf dem Weg ZIELWÄRTS innerer und äußerer Selbstentwicklung.

Die Kurse bestehen seit 2006 und wurden bis 2017 von Kurt Oehlschläger angeleitet. Etwa die Hälfte der Teilnehmer*innen ist mehr als 8 Jahre dabei. Ein Neueinstieg ist aufgrund der oben genannten Philosophie meiner Kursleitung jederzeit und auch ohne Vorkenntnisse möglich (sofern Plätze frei sind). Voraussetzung ist eine Einzelstunde vor dem Start in der Gruppe, um die Bewegungsabläufe kennenzulernen. Je nach Merkfähigkeit und Körpergefühl kann es dann schon losgehen in der Gruppe. Weitere Einzelstunden können sich dann bei Bedarf anschließen.


Die 15 Ausdrucksformen des qigong yangsheng nach Prof. jiao guorui

Die Form an sich und ihre allgemeine Wirkung:

Die 15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong aus dem Lehrsystem von Prof. Jiao Giouri sind eine Übungsmethode, die auch von Einsteiger*innen mit Blick auf die äußeren Übungen schnell erlernt werden kann. Prof. Jiao hatte diese Übungsmethode nach intensivem Studium historischer Dokumente aus den "13 Ausdrucksformen der Taiji-Pfahl-Übung" nach Xu Xuanping (Tang-Dynastie) entwickelt. Wichtig war ihm, dass diese Übungen auch von schwachen oder erkrankten Menschen praktiziert werden konnten. Dies gelingt den Ungeübten insbesondere mit diesen 15 Ausdrucksformen, die teils auch im Sitzen oder Liegen praktiziert werden können.  

 

Die 15 Ausdrucksformen haben eine allgemein harmonisierende Wirkung auf das Qi, die Lebensenergie. Die sanften, ruhigen und wenig komplexen Bewegungen bringen das Kreislaufsystem in Bewegung und helfen, die Atmung zu vertiefen. So kann es in kurzer Zeit gelingen, den Körper einerseits zu tonisieren, andererseits zu beruhigen, die "wilde Horde Affen" im Geist in die Ruhe zu bringen und den Atem zu verlangsamen und gleichmäßiger fließen zu lassen. 

 

Wurden die äußeren Übungen, also die Körperbewegungen, gut erlernt, kann die Aufmerksamkeit so vielfältig auf verschiedene Aspekte des körperlichen Übens und der Lenkung der Vorstellungskraft gerichtet werden, dass diese Übungsmethode auch für Fortgeschrittene ein Leben lang eine Herausforderung bleiben kann. 

 

 

Die allgemeinen Hinweise zum Lehrsystem von Prof. Jiao Guorui, wie ich sie bei den Acht Brokaten beschrieben habe, sind natürlich auch gültig für das Praktizieren der 15 Ausdrucksformen. Auch hier werden die 14 Achtsamkeitspunkte in die Übungen mit einbezogen und somit Wahrnehmung und Konzentration bei der Innenschau auf den eigenen Körper geübt.

 

Warum sind es 15 Ausdrucksformen?

Abgesehen von der Wahrscheinlichkeit, dass auch die Zahl 15 im alten China eine ganz besondere Bedeutung hat, ist hierzu nichts weiter überliefert. Ausgehend vom Übungssystem der "13 Ausdrucksformen der Taiji-Pfahl-Übungen", die vor über 1.000 Jahren entwickelt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Prof. Jiao die Erweiterung um zwei Übungen im Sinne der Verbesserung der Harmonisierung des Qi vorgenommen hat.

 

 

Meine Art, die 15 Ausdrucksformen zu üben:

Ich unterrichte die 15 Ausdrucksformen vornehmlich in Einzelstunden, gelegentlich auch im Rahmen der Gruppenübungen.  Da die Übungen auch für Ungeübte gut geeignet sind, kann die gesamte Abfolge meist ohne Einschränkungen geübt werden. Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Bereich der Beine oder Lendenwirbelsäule können die Übungen auch im Sitzen erlernen und praktizieren. Hierbei gilt es, auf die Sprache des Körpers (Schmerzen, Bewegungseinschränkungen etc.) besonders aufmerksam zu hören.

 


Das spiel der 5 tiere  des qigong yangsheng nach jiao guorui

Die Form an sich und ihre allgemeine Wirkung:

Das Spiel der 5 Tiere aus dem Lehrsystem von Prof. Jiao Giouri ist im Vergleich zu den Acht Brokaten deutlich anspruchsvoller, sofern man alle Übungen erlernen und praktizieren möchte.

Jedes der 5 Tiere besteht aus 5 Übungsabfolgen. Daraus ergeben sich 25 Übungseinheiten, die auch in der Ausübung komplexer sind als die 8 Brokate. Die 5 Tiere haben jeweils idealisierte Eigenschaften. So repräsentieren sie die 5 Elemente in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), Erde, Metall, Wasser, Holz und Feuer. 

Zum Spiel der 5 Tiere gehören der Bär, der Kranich, der Tiger, der Hirsch und der Affe. Beim Üben der einzelnen Tiere ist es Aufgabe, sich mit den jeweiligen Eigenschaften der Tiere zu verbinden, diese zum Ausdruck zu bringen. Durch die jeweiligen Körperhaltungen wird das entsprechende Meridiansystem angeregt (s.u.). Neben den körperlichen Anforderungen an die teils recht komplexe Körperkoordination in den Übungen besteht hier aus meiner Sicht der besondere Reiz im Erspüren und Zum-Ausdruck-Bringen unterschiedlicher emotionaler Eigenschaften, die wir im allgemeinen als positiv empfinden, wie innere Ruhe und Sicherheit, Furchtlosigkeit, Zufriedenheit oder Neugier, selbst wenn man diese grade nicht empfindet. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit… In Kombination mit den dazugehörigen Körperübungen ist es also möglich, im Laufe der Zeit die persönlichen Ressourcen zu erweitern. Ein Beispiel: Übe ich die Furchtlosigkeit des Tigers, kann das in ängstlichen Situationen hilfreich sein, da ich dieses Gefühl der Furchtlosigkeit verbunden mit einer bestimmten Körperhaltung bei regelmäßigem Üben schneller als Bild und Gefühl hervorrufen kann. 

 

Die allgemeinen Hinweise zum Lehrsystem von Prof. Jiao Guorui, wie ich sie bei den Acht Brokaten beschrieben habe, sind natürlich auch gültig für das Spiel der 5 Tiere. Und auch beim Spiel der 5 Tiere werden die 14 Achtsamkeitspunkte in die Übungen mit einbezogen und somit Wahrnehmung und Konzentration bei der Innenschau auf den eigenen Körper geübt.

 

Warum sind es Tiere und warum fünf?

In traditionellen Kulturen ist es üblich, sich mit den Eigenschaften von Tieren auseinanderzusetzen und diese zur Stärkung der eigenen Ressourcen zu verwenden. In der TCM können Tierpräparate eingenommen werden (aus heutiger Sicht oft "leider", weil die Tiere ggf. vor dem Aussterben bedroht sind)  - oder man übt deren idealisierte Eigenschaften, visualisiert sie, weckt die dazugehörigen Emotionen durch die reine Vorstellungskraft. Tiere mit vorbildartigen Eigenschaften gibt es unzählige. Die Reduktion auf fünf Tiere hat Gründe, siehe dazu den nächsten Absatz. Es gibt diverse Varianten, auch im Spiel der 5 Tiere. Prof. Jiao hatte die Absicht, sein Qigong-Lehrsystem auch Ungeübten zu vermitteln. So reduzierte er innerhalb des Spiels der 5 Tiere die Zahl der zu übenden Bewegungsvarianten ebenso auf fünf, so dass sich daraus die insgesamt (5 x 5 =) 25 Übungsformen ergeben.

 

Warum 5 Tiere? Diese 5 Tiere repräsentieren ein wichtiges Grundprinzip in der TCM, nämlich die Stilisierung der Wirkfaktoren auf diesem Globus, die unser aller Lebensgrundlagen darstellen, auf die fünf "Elemente" Erde, Metall, Wasser, Holz und Feuer.  Alle Elemente stehen in Beziehung zueinander, nähren oder reduzieren sich, was in der TCM auch mit den Wandlungsphasen dargestellt wird. Den einzelnen Elementen/Wandlungsphasen wiederum sind Organe bzw. Meridiansysteme und Emotionen zugeordnet. So ergeben sich folgende Zusammenhänge (hier nach Prof. Jiao;  die Zahl der Interpretationen scheint insgesamt sehr variantenreich je nach Lehrsystem... - typisch chinesisch, also nicht mit unserem Faktendenken vergleichbar; in der Anwendung ist das aber auch egal, denn es zählt die Realität dessen, was jede*r Übende für sich visualisieren und wecken kann):

Bär = Erde = Milz-Magen = u.a. Vertrauen, Denken, Empathie

Kranich =  Metall = Lunge = u.a. Würde, Loslassenkönnen, Hoffnung

Tiger = Wasser = Niere-Blase = u.a. Furchtlosigkeit, Selbstvertrauen, Zielorientiertheit

Hirsch = Holz = Leber-Galle = u.a. Güte, Wohlwollen, Ausdauer, Selbstlosigkeit

Affe = Feuer = Herz = u.a. Freude, Friedfertigkeit, Zufriedenheit, Grenzen akzeptieren

 

Meine Art, das Spiel der 5 Tiere zu üben:

Ich unterrichte das Spiel der 5 Tiere nur in Einzelstunden. Je nach persönlichen Anforderungen kann der Schwierigkeitsgrad variiert werden. Der gedachte therapeutische Effekt wird auch den weniger komplexen Übungsabfolgen zugeschrieben.  In den Übungsstunden erarbeiten wir also gemeinsam, welche Übungen der Tiere praktiziert werden sollen.

 


Duft-qi gong nach zhang xiao ping

Die Form an sich und ihre allgemeine Wirkung

Diese Qi Gong-Form besteht aus zwei Teilen, die jeweils eine Viertelstunde reine Übungszeit in Anspruch nehmen. (In einer Einzelstunde kommen Achtsamkeits- und Aufwärmübungen sowie Schlussübungen hinzu und die Korrektur der Bewegungsabläufe.) Der zweite Teil wird erst nach einer regelmäßigen Zeit des Praktizierens des ersten Teils von mindestens sechs Monaten vermittelt.

Das Duft-Qi Gong ist eine Abfolge von 15 Übungen je Übungsteil. Anders als bei anderen Qi Gong-Methoden sind hier weder Vorstellungskraft noch besondere Konzentration gefragt, sondern vielmehr die Natürlichkeit der Bewegungen und die Kunst des Nicht-Denkens während der Übungen. Jede Übung wird im Stand und relativ zügig durchgeführt. In beiden Teilen werden 15 äußerlich einfache Bewegungen idealerweise 36mal wiederholt. Im ersten Teil stehen Armbewegungen im Vordergrund, die die Meridiane in den Armen aktivieren und den Schultergürtel lockern. Im zweiten Teil kommen zu den Armbewegungen Bein- und Hüftbewegungen hinzu, die die Meridiane der Beine sowie die Hauptleitbahn im Bereich der Wirbelsäule und die Leitbahn in Höhe des Beckengürtels mit aktivieren und stärker auf die inneren Organe wirken. Als äußere Übungen mobilisieren sie vor allem die Wirbelsäule und verbessern die Körperkoordination.

Die lockernden und mobilisierenden Wirkungen der äußeren Übungen sind vor allem für Menschen von Bedeutung, die Verspannungen des Nackens, der Schultern und/oder der Wirbelsäule kennen.  Auch das Duft-Qi Gong gehört zum medizinischen Qi Gong. In der TCM wird die Wirkung des ersten Teiles vor allem in der Entgiftung des Körpers gesehen, die Wirkung des zweitens Teils bezieht sich vor allem auf die Anreicherung von Energie (Qi) und die Auflösung von Blockaden im Meridiansystem - und damit auf die Förderung der Selbstheilungskräfte. Für beide Teile gilt, was für Qi Gong-Übungen allgemein gilt, dass sich ein entspannterer Bewusstseinszustand einstellen kann.

 

Die Geschichte des Duft-Qi Gong

Die Wurzeln des Duft-Qi Gong gehen auf die Tang-Zeit (618 bis 906) zurück. Hier soll ein buddhistischer Mönch diese Übungen entwickelt und weitergegeben haben. In der Ming-Zeit (1368 bis 1644) erfuhr auch ein berühmter Mönch (Jigong) vom Duft-Qi Gong, der die Methode praktizierte und unter strengster Geheimhaltungspflicht an einen Schüler weitergab, der dann wiederum zum Meister wurde. Aus diesem Grunde konnte das Duft-Qi Gong bis in unsere moderne Zeit nicht populär werden, heißt es. Das änderte sich erst, als Mitte der 1930er Jahre ein Meister einem erkrankten Jugendlichen diese Übungen gezeigt und gesagt haben soll, dass er sie 50 Jahre praktizieren soll, um sie dann anderen Menschen weiterzugeben, um ihnen zu helfen und sie von Krankheiten zu heilen. Tian Ruisheng praktizierte 50 Jahre lang das Duft-Qi Gong und studierte 40 Jahre lang die Lehren des Buddhismus, um im Jahr 1988 das Duft-Qi Gong der Öffentlichkeit im Rahmen einer Großveranstaltung zu präsentieren. Seither wird das Duft-Qi Gong von verschiedenen Qi Gong-Meistern gelehrt, so auch von Zhang Xiao Ping (*1961), Sportlehrer und Meister altchinesischer Kampfkünste. Zhang lebt seit 1992 in Österreich und unterrichtet dort Tai Chi, Qi Gong und Kung Fu.

Hier ein Zitat von Zhang zur Wirkungsweise des Duft-Qi Gong (Gertrude Kubiena, Zhang Xiao Ping, Duft- Qigong, 2009): Die chinesische Philosophie sieht den Menschen als Mikrokosmos im Makrokosmos. Kosmische Energien beeinflussen das Leben - denken wir ganz banal an den Tag-Nacht-Rhythmus oder die Jahreszeiten. ... Energie ist Substanz und Schwingung - man könnte auch sagen, der Mensch selbst ist ein Energiefeld, das im kosmischen Energiefeld schwingt. Das kosmische Energiefeld ist rund. Auch die kleinste organische Einheit des menschlichen Körpers - die Zelle - ist rund. Wenn Kosmos und Zelle im gleichen Rhythmus schwingen, dann fühlt sich der Mensch wohl, sicher, ruhig und gesund. Das ist nur der Fall, wenn der Mensch Energie - Qi - aus dem Universum tankt, wie wenn man eine Batterie auflädt. Und das geschieht durch die schwingenden, natürlichen Bewegungen beim Duft-Qigong.

 

Warum der Begriff DUFT-Qi Gong?

Da der erste Teil des Qi Gong der Entgiftung dienen soll, wird der Name durch den Wohlgeruch, der sich bei regelmäßig Praktizierenden wohl einstellt, erklärt. Verbrauchtes Qi würde ausgeschieden, frische, neue Energie vom Körper aufgenommen, was den Wohlgeruch bedingen soll.

Zum anderen sei der Begriff "Duft" auch als Metapher für die "Leere" zu verstehen, für den ruhigen, nicht abschweifenden Geist. Während der Übung sollen sich die Praktizierenden gerade nicht auf bestimmte Vorstellungen konzentrieren, sondern den Geist eher leer machen - nach der Übung kann sich dadurch eine besondere Ruhe über den Körper ausbreiten.

 

Meine Art, das Duft-Qi Gong zu üben:

Gelegentlich wird das Duft-Qi Gong Teil der Übungsstunde der Acht Brokate. Hier kann, ganz nebenbei, die Aufmerksamkeit auf die äußere Haltung, die 14 Achtsamkeitspunkte, gelenkt werden. 

In einer Einzelstunde erkläre ich die Bewegung im Tun und muntere zum Mitmachen auf. Mit einem Merkblatt für zu Hause ist es sehr schnell möglich, die Übungen allein durchzuführen, da der Ablauf weniger komplex ist, die Abfolge der 15 Übungen aber verinnerlicht werden will. Wer daran kein Interesse hat, kann sich in Wiederholungsstunden weiterhin an der Bewegungsabfolge der Kursleiterin orientieren. 


guo lin qi gong nach zhang xiao ping (Guo Lin Xin Qi Gong)

Die Form an sich und ihre allgemeine Wirkung:

Das Guo Lin Qi Gong besteht aus einer Abfolge von sieben Übungen, wobei drei Übungen im Gehen mit Dreh-Bewegungen nach links und rechts den Schwerpunkt dieser Übungsreihe darstellen. Weitere vier Übungen dienen der Aktivierung des Körpers und werden im Stehen ausgeübt. Bei den Übungen im Gehen spielt die tiefe (Ein-) Atmung eine große Rolle. Durch die tiefe Atmung wird Sauerstoff in deutlich größeren Mengen in den Körper gebracht und kann zur Stärkung des Immunsystems beitragen.  In der TCM entstehen viele Krankheiten, auch Krebs, durch einen sogenannten Blutstau, ausgelöst durch Sauerstoffmangel. Gleichzeitig kann die tiefe Ausatmung die Entgiftung anregen - und damit aus TCM-Sicht den Blutstau positiv beeinflussen. Mit der tieferen Atmung wird außerdem eine intensive Massage der inneren Organe erzeugt. Diese Massage der Organe kann deren Durchblutung und damit ihre Funktion stärken. Im Sinne der Prävention sollten die Geh-Übungen auf etwa eine halbe Stunde angesetzt werden und gern an frischer Luft stattfinden. (Es ist auch möglich, zwei der drei Übungen in den täglichen Spaziergang mit einzubinden, ohne sonderlich aufzufallen... - so kann das Trainingsziel leichter erreicht werden.)

Die allgemeine Wirkung soll also die Durchblutung, die Anreicherung und Reinigung des Blutes und die Stärkung des Immunsystems fördern - und das erfolgt, wenn auch in weniger nachhaltig therapeutischem Maße, auch bei kürzeren Sequenzen. Mehr Atmung kann nie schaden (Hyperventilieren ausgenommen). Sie können sofort damit anfangen!

 

Die besondere Wirkung des Guo Lin Qi Gong für Menschen, die an Krebs erkrankt sind oder waren:

Die oben beschriebenen allgemeinen Wirkungen sind aus Sicht der TCM besonders hilfreich bei Krebserkrankungen, da für TCM-Ärzte diese Erkrankung durch eine Schwächung des Immunsystems entsteht, zusammen mit Sauerstoffmangel, einer schlechten Durchblutung vor allem der kleinen Kapillargefäße, Qi-Mangel und Qi-Stau, Giften im Körper und ungesunden Emotionen (Wut, Angst, Grübeln, Hass, Neid), durch die der Energiefluss (Qi) gestört wird. (Auf chinesisch heißt Krebs "giftiger Körper".)

Meister Zhang empfiehlt Patient*innen im akuten Fall, z.B. mit Diagnosestellung oder während einer Chemotherapie, zunächst nur die erste, unkomplizierte Geh-Übung zu praktizieren, dafür aber für zwei Monate zweimal am Tag für 45 Minuten, um die entsprechenden Wirkungen zu erzielen. Schreckt Sie das ab? Hier ist, denke ich, die individuelle Situation und Motivation das Maß aller Dinge, und ein Start mit dieser Übung, sei es für einen deutlich kürzeren Zeitraum, aber kontinuierlich, mehr als nichts. Und die Energie folgt bekanntermaßen der Aufmerksamkeit: Wer sich also regelmäßig mit dieser Übung beschäftigt, leistet damit vielleicht seinen ganz eigenen Beitrag auf dem Weg zur Heilung. Man sollte sich also von der sicherlich fundiert begründbaren Rezeptur des Meisters nicht entmutigen lassen und schlicht anfangen zu üben! Gern unterstütze ich auf dem individuellen Weg ZIELWÄRTS der Überwindung der Erkrankung!

 

Die Geschichte des Guo Lin Qi Gong:

Frau Guo Lin praktizierte diese neu zusammengestellten Übungen aus dem Dao-Qi Gong, um ihre Krebserkrankung zu überwinden, die bei ihr im Alter von 38 diagnostiziert wurde und vergeblich mehrmals operativ behandelt wurde. Sie begann dann mit speziell zusammengestellten, in der Familie bekannten Übungen aus dem Dao-Qi Gong und gesundete. Sie starb 40 Jahre später, 1984, an einem Schlaganfall. Ab 1971 unterrichtete sie ihre Neue Qi Gong-Form (Guo Lin Xin Qi Gong, Neues Qi Gong) in China und wurde sehr populär damit. Das Chinesische Gesundheitsministerium anerkannte ihre Qi Gong-Form als medizinische Übung im Sinne der TCM. Das von Frau Guo Lin geschriebene Buch wurde auch in Westeuropa bekannt und half, diese Qi Gong-Übungen auch als komplementär-medizinische Anwendung bekannt zu machen und anzuerkennen. Seit einigen Jahren gehört für manche Onkologen diese Form des Qi Gong zur Empfehlung an die an Krebs Erkrankten bei deren Suche nach (Chemo-) Therapie-begleitenden Methoden. 

 

Warum Guo Lin Qi Gong?

Das ist der Name seiner "Erfinderin" - siehe oben.

 

Meine Art, das Guo Lin Qi Gong zu üben:

Diese Übungen im Gehen übe ich mit Interessierten in Einzelstunden. Wollen die Übungen präventiv und ohne offensichtlich medizinische Notwendigkeit (z.B. Krebs-Diagnose) erlernt werden, ist der Übungsfortschritt von den Übenden abhängig. Besteht eine Krebsdiagnose und vielleicht auch schon eine (Chemo)-Therapie, folge ich den Empfehlungen des Meister Zhang: Also beginnt das Praktizieren zunächst nur mit dem Erlernen und Üben der ersten Bewegungsform für zwei Monate - und danach erst folgen die weiteren Übungen. Wichtig ist hierbei nach Meister Zhang das regelmäßige, am besten tägliche Üben. Dies kann innerhalb einer Krebstherapie eine große Herausforderung sein. Hier gilt es, bedacht das beste Maß herauszufinden und dann konsequent zu üben, und seien es nur fünf Minuten am Tag, bis dieser Übungsumfang gesteigert werden kann.